Ausflugsziele -> Höhlen -> Gerberhöhle

Gerberhöhle

Eine ganz reizende Lage, am südlichen, jäh abfallenden Felshang der Burghalde bei Hayingen hat das Gerberloch oder die Gerberhöhle, heißt es in der Oberamtsbeschreibung. Sie befindet sich etwa 650 m ü.d.M. und 60 m über der Sohle des engen Fichteltales, ganz nahe unterhalb des Ringwalls. Früher war sie nur durch eine Felsenkletterei zu erreichen, jetzt aber ist sie durch ein Steiglein mit Geländer vom Albverein bequem zugänglich gemacht worden.








Die Gerberhöhle ist zum Schutz der Fledermäuse in den Wintermonaten i. d. R. vom 15.11. bis 15.04 geschlossen!

Die Höhle zieht sich fast waagrecht in den Felsenstock hinein, ist 3 - 5 m hoch, 4 - 7 m breit, etwa 30 m lang und endet in einem ganz niedrigen Schlupf, der zwar noch weiter in den Berg hineinreicht, aber nicht mehr begehbar ist. Von Tropfsteinbildungen sieht man noch deutliche Spuren. Mit dem darunter befindlichen "Ochsenloch, das aber bedeutend kleiner ist, mögen diese beiden Höhlen für die Ureinwohner ein willkommener Unterstand gewesen sein und ihnen als Wohnhöhle gedient haben. Auch die Kelten benützten sie zur Sicherung von Hab und Gut und als Zufluchtsort für alte und kranke Personen. Ebenso haben sich im 30jährigen Krieg, als die Schweden in unserem Lande hausten, die verängstigten Menschen vielfach in diese Höhlen geflüchtet. Ja selbst am Ende des letzten Weltkrieges haben einige Zeitgenossen dort genächtigt, um vor den Kriegsgreueln gesichert zu sein.

Manche Sagen und Volksüberlieferungen stehen im Zusammenhang mit der Gerberhöhle. So weiß die alte Beschreibung der kath. Pfarrei Hayingen von 1825 darüber zu berichten: "Auf der südöstlichen Seite des Berges Burghalden - gegen Maisenburg zu - ist mitten oben am Berge durch die Felsen eine Öffnung. Man heißt sie das "Gerberloch". Noch vor ein paar Jahren waren armsdicke eiserne Haken da, in welche eiserne Türen eingehengt waren. Man kann da hineingehen und kommt auf der Indelhauser Seite an die Lauter. Es sollen in der Mitte des Berges Steinstiegen bis an die Lauter und bis auf die Ebene des Berges hinaufführen. Die Ebene oben war mit drei Wällen umgeben, die noch heute sehr erkennbar sind. Der Platz war sehr fest, und vor Erfindung des Pulvers gewiß unüberwindlich. Mit der Maisenburg kam der Berg samt Indelhausen an das Freiherrlich von Speth’sche Haus in den 1770er Jahren. Das Schülzburg-Speth’sche Haus gab 40000 Gulden für ganz Maisenburg und Indelhausen".

Von den eisernen Haken und Türen ist heute nichts mehr zu sehen, ebenso wenig weiß man etwas von dieser Steinstiege im Innern. Auch klingt die Sage sehr unwahrscheinlich, daß einmal eine Gans, die man oben im Gerberloch hineingelassen habe, unten an der Lauter wieder ans Tageslicht gekommen sei. Etwas Ähnliches wird von den sogenannten "Heidenlöchern" am westlichen Abhang des Hohenstaufens berichtet. Das untere Loch soll bis Hohenrechberg gehen, wo ein ähnlicher Eingang sich befindet. Ein Hahn, den man auf Hohenstaufen einmal in die Höhle laufen ließ, kam bei Hohenrechberg wieder zum Vorschein.

Dieselbe Chronik berichtet auch, daß Uracher und andere Chroniken von einem Hayinger Femgerichte sprechen, es sei aber nicht erwiesen, ob dieses im wirklichen Hayingen oder auf Burghalden, welches extraditione "Althayingen" heißt, das Femgericht gewesen sei, oder ob auf beiden Plätzen eines gewesen sei. Dieses Althayingen auf Burghalden droben war zu einem Femgericht doch weit besser geeignet als der Platz des wirklichen Hayinger Städtchens. Im frühen Uracher Stadtarchiv befanden sich zwei Urkunden, nach denen sich diese alten Gerüchte zu bestätigen scheinen.

Drucken